Wenn du durch Südamerika reist, solltest du unbedingt auch einen Stopp in Ecuador einplanen. Dieses Land gehört zweifellos zu den faszinierendsten Ländern, die du in Lateinamerika besuchen kannst — und das auf engstem Raum. Auf einer Fläche kleiner als Deutschland treffen die schneebedeckten Vulkane der Anden, der Regenwald des Amazonasbeckens, die Pazifikküste und die legendären Galapagos-Inseln aufeinander.

Quito, die Hauptstadt von Ecuador

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Die ecuadorianische Hauptstadt liegt auf 2.850 Metern über dem Meeresspiegel hoch in den Anden und besitzt das größte und besterhaltene koloniale Altstadtensemble Südamerikas — ein Netz aus Kopfsteinpflastergassen, Barockkirchen und Kolonialpalästen, das 1978 als erstes Weltkulturerbe der UNESCO in Amerika eingetragen wurde.

Zu den eindrucksvollsten Bauwerken zählen die Iglesia de San Francisco mit ihren weißen Zwillingstürmen aus dem frühen 16. Jahrhundert sowie die Compañía de Jesús, deren Innenraum mit sieben Tonnen Blattgold verkleidet ist. Vom Plaza Grande aus beobachtest du den Alltag der Quiteños vor der Kulisse von Kathedrale und Präsidentenpalast. Wer die Stadt von oben sehen möchte, fährt mit der Seilbahn Teleférico auf den Vulkanrand des Pichincha — das Panorama über die Hauptstadt und die umliegende Vulkankette ist atemberaubend.

Cuenca

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Cuenca — offiziell Santa Ana de los Cuatro Ríos de Cuenca — ist mit rund 660.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Ecuadors und für viele Reisende die liebste. Das Leben spielt sich hier in einem anderen Tempo ab: Blumenverkäuferinnen in Tracht auf dem Mercado 10 de Agosto, Künstler in Galerien entlang des Río Tomebamba, Café-Terrassen vor 400 Jahre alten Kolonialfassaden.

Auch Cuenca trägt den Titel UNESCO-Weltkulturerbe. Die markante Iglesia del Sagrario beherbergt eine seltene alte Orgel und ein Museum für religiöse Kunst; die Nueva Catedral dominiert die Skyline mit ihren leuchtend türkisen Kacheln. Einen Abstecher wert ist die archäologische Stätte Ingapirca, die bedeutendste Inka-Ruine Ecuadors, zwei Stunden entfernt.

Cuenca ist jene Art Stadt, in der du für drei Tage ankommst — und nach drei Wochen feststellst, dass du immer noch nicht alles gesehen hast.

Galapagos-Inseln

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Rund 1.000 Kilometer westlich des Festlands liegt einer der faszinierendsten Orte der Erde. Die Galapagos-Inseln sind UNESCO-Weltnaturerbe und beheimaten Tiere, die nirgendwo sonst existieren: Meeresleguane, die als einzige Echsen der Welt im Meer schwimmen; Galapagos-Pinguine auf dem Äquator; Riesenschildkröten, die über 150 Jahre alt werden.

Das gesamte Archipel ist Nationalpark — Besuche sind ausschließlich mit zugelassenen Guides auf festgelegten Besucherpfaden möglich. Die komfortabelste Art, die Inseln zu erkunden, sind Expeditionskreuzfahrten: Anbieter wie Silversea (Silver Origin) oder Celebrity Cruises (Celebrity Flora) bieten Luxus-Liveaboards, die täglich wechselnde Inseln anlaufen und von Naturforschern begleitet werden.

Guayaquil

Guayaquil ecuador

Guayaquil ist mit fast 2,7 Millionen Einwohnern die größte Stadt Ecuadors — und wird von Reisenden systematisch unterschätzt. Die meisten kommen nur durch, weil der Hafen die Hauptabfahrtsstation für Galapagos-Kreuzfahrten ist. Dabei lohnt die Stadt selbst einen vollen Tag.

Das Herzstück ist die Malecón 2000, eine 2,5 Kilometer lange Uferpromenade entlang des Río Guayas mit Museen, Brunnen und Restaurants. Dahinter liegt das hübsch renovierte Barrio Las Peñas mit bunten Holzhäusern, Kunstgalerien und dem Aussichtspunkt auf dem Cerro Santa Ana — ideal für den Sonnenuntergang über der Flussmündung.

La Nariz del Diablo

Nariz del Diablo

Die Zugfahrt zur „Nase des Teufels” ist eines der aufregendsten Reiseerlebnisse Südamerikas. Ab Riobamba führt die Strecke durch eine vulkanische Hochlandlandschaft, bevor sie am berühmtesten Abschnitt der ecuadorianischen Eisenbahn ankommt: einem fast senkrecht in den Fels gehauenen Zickzack-Gefälle, das die Lok in mehreren Rückwärtsmanövern bewältigt. Wer möchte, kombiniert die Fahrt mit dem Kondormuseum Puñuna, das die Geschichte und Kultur der indigenen Völker der Region dokumentiert.

Baños de Agua Santa

Baños Ecuador

Baños de Agua Santa liegt im Schatten des aktiven Vulkans Tungurahua und ist Ecuadors Abenteuer-Hauptstadt. Die mineralhaltigen Thermalquellen am Stadtrand laden nach dem Ausflug zum Entspannen ein. Das Umland wartet mit dem spektakulären Pailón del Diablo auf — einem der eindrucksvollsten Wasserfälle Ecuadors — sowie mit Wildwasser-Rafting auf dem Río Pastaza, Mountainbiking auf der „Ruta de las Cascadas” und Paragliding über dem Tal. Wer es ruhiger angeht, schlendert einfach durch den Ort und kauft am Straßenrand traditionelles Zuckerrohrkaramell, das sogenannte Melcocha.

Der Markt von Otavalo

Der Markt von Otavalo

Der Samstagsmarkt von Otavalo gilt als der farbenprächtigste Wochenmarkt der Anden — und einer der ältesten des gesamten Kontinents, älter noch als die Inkazeit. Auf dem Plaza de los Ponchos türmen sich handgewebte Decken, Silberschmuck, traditionelle Kleidung der Otavalo-Indigenen und Holzschnitzereien. Die Otavaleños tragen auch heute noch ihre traditionelle Tracht aus weißen Hemden, dunklen Ponchos und langen schwarzen Zöpfen — das macht den Markt zu einem der fotogensten Orte Ecuadors.

An den anderen Wochentagen ist der Markt kleiner, aber immer noch sehenswert. Ein Ausflug zu den nahen Lagunas de Mojanda oder dem Lederdorf Cotacachi lässt sich gut kombinieren.

Riobamba

Riobamba

Riobamba liegt am Fuß des Chimborazo — mit 6.268 Metern der höchste Berg Ecuadors und, vom Erdmittelpunkt aus gemessen, der am weitesten von der Erdachse entfernte Punkt auf der Erdoberfläche. Der Vulkan dominiert die Stadt und zieht Bergsteiger aus aller Welt an. Wer den Gipfel anvisiert, engagiert einen zertifizierten Bergführer und beginnt den Anstieg typischerweise um Mitternacht. Die Aussicht beim Sonnenaufgang über dem Wolkenmeer ist legendär.

Von Riobamba aus startet außerdem die berühmte Zugfahrt zur Nariz del Diablo — die Stadt ist damit Ausgangspunkt für zwei der spektakulärsten Ausflüge im ecuadorianischen Hochland in einem Atemzug.

Quilotoa Loop

Quilotoa Loop

Der Quilotoa Loop ist eine mehrtägige Trekkingschleife durch das Hochland der Provinz Cotopaxi, vorbei an abgelegenen indigenen Dörfern, Schafweiden und blumenübersäten Páramos. Das absolute Highlight ist der Quilotoa-Kratersee — ein smaragdgrüner Calderasee auf 3.914 Metern, dessen Wasserfarbe sich mit dem Licht stündlich verändert.

Die Vollrunde dauert drei bis vier Tage; wer weniger Zeit hat, nimmt den Direktbus zum Kratersee und wandert von dort aus zum nächsten Dorf. Als bester Markt entlang der Strecke gilt der Donnerstagmarkt in Saquisilí, auf dem Einheimische und Touristen gleichsam verschwinden.

Mindo

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Mindo liegt auf der westlichen Andenflanke in einem Nebelwald, der zu den artenreichsten Vogelhabitaten der Erde gehört — über 500 Vogelarten wurden hier verzeichnet, darunter Quetzale, Paradiestangaren und Dutzende Kolibri-Spezies. Birding-Enthusiasten kommen von Kontinenten für ein einziges Wochenende hierher.

Neben Vogelbeobachtung bietet Mindo Canyoning, Kajakfahren auf dem Río Mindo und Schmetterlingsfarmen. Die Schokoladenmanufaktur El Quetzal del Mindo führt Touren vom Kakaobaum zur fertigen Tafel durch — ein empfehlenswerter Einblick in die Herstellung ecuadorianischer Fine-Flavour-Schokolade, die international zu den besten gezählt wird.

Salinas

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Salinas ist Ecuadors bekanntester Badeort an der Pazifikküste — ein langer Sandstrand vor einer Hochhauskulisse, die ecuadorianischen Reisenden an Miami erinnert. Surfer, Segler und Sportfischer schätzen die Lage an der Spitze der Halbinsel Santa Elena.

salinas strand

Der Strand La Chocolatera — Ecuadors westlichster Punkt — liegt im Militärgelände und ist mit Sondergenehmigung zugänglich; Robben rasten hier auf den Felsen, und Meeresschildkröten kommen zum Eierlegen. Die ruhigste Reisezeit ist die kühlere Trockenzeit von Juni bis November, wenn auch Buckelwale vor der Küste beobachtet werden können.

Nationalpark Cotopaxi

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Nur zwei Stunden von Quito entfernt erhebt sich der Cotopaxi auf 5.897 Meter — einer der höchsten aktiven Vulkane der Welt und mit seiner perfekten schneebedeckten Kegelform auch einer der fotogensten. Der Nationalpark rund um ihn gehört zur Avenida de los Volcanes, der langen Vulkankette entlang der Anden.

Das Schutzhuberto José Rivas auf 4.800 Metern ist Ausgangspunkt für den Gipfelsturm; professionelle Bergführer sind Pflicht, und eine Akklimatisierungsphase von mindestens zwei Tagen im Hochland sollte vorher eingeplant werden. Wer nicht klettern möchte, erkundet den Páramo zu Fuß oder zu Pferd, beobachtet Andenkondore im Aufwind oder wandert rund um den Gletschersee Limpiopungo.

Cotopaxi ecuador

Ecuador beweist, dass Größe keine Frage des Maßstabs ist. Auf engstem Raum vereint das Land vier Welten: den Andenkamm mit Vulkanen und indigenen Märkten, das Amazonasbecken, die Pazifikküste — und draußen im Ozean die Galapagos-Inseln, die kein anderer Ort der Welt ersetzen kann.